AUS DEM UNTERNEHMEN

06.05.2020

Klinikwäsche wird mit speziellen Waschverfahren bearbeitet

Wäscherei Indlekofer hält sich an Richtlinien des Robert Koch Instituts. Hygiene hat in dem Unternehmen aber schon immer höchste Priorität.

BONNDORF. Sie werden von der Öffentlichkeit eher wenig wahrgenommen, sind jedoch ein wichtiger Baustein in Sachen Sauberkeit. In Zeiten der Corona-Krise gewinnt dies noch an Bedeutung, insbesondere, wenn es etwa um Sauberkeit in Kliniken und Seniorenheimen geht. Die Rede ist von den Wäschereien. Redakteur Stefan Limberger-Andris unterhielt sich mit Susanne Mutter von der Geschäftsleitung des Bonndorfer Textilservice Indlekofer über die Herausforderungen, denen sich die Branche derzeit gegenübersieht. Susanne Mutter wuchs im elterlichen Betrieb, der Wäscherei Speck in Helmstedt, auf.

Die Wahrscheinlichkeit einer Coronavirus-Kontaminierung der von Kliniken beauftragten Wäschereien durch angelieferte Wäsche sei derzeit relativ hoch, erläutert Susanne Mutter im BZ-Gespräch.

Kliniken und Pflegeheime müssen deshalb kontaminierte Wäsche in verschlossenen und gekennzeichneten Wäschesäcken an die zuvor informierte Wäscherei übergeben. Das Risiko, dass sich Mitarbeiter einer Wäscherei durch den Umgang mit dieser Wäsche infizieren, werde allerdings als eher gering angesehen. Nach bisherigen Erkenntnissen gehe die Forschung davon aus, dass sich das Coronavirus außerhalb des menschlichen Körpers nur wenige Tage hält.

Klinikwäsche werde allgemein nach Richtlinien des Robert Koch Instituts (RKI) gewaschen. Klinikwäsche von Corona-Patienten – sofern dies den Wäschereien bekannt sei – werde in einem chemothermischen Waschverfahren bearbeitet, erläutert Susanne Mutter. Bei einer Einwirkzeit von zehn Minuten und der Waschtemperatur von 80 Grad werde das Virus zerstört. Desinfektionsmittel wie beispielsweise Peressigsäure verstärken diesen Vorgang. Das Waschprozedere ver- längere die übliche Verweildauer von zu waschender Wäsche in einer Wäscherei allerdings nicht. Die derzeit zugelassenen Waschmittel und Waschhilfsmittel für Corona-Wäsche seien ihrer Erfahrung nach ausreichend, um das Virus zu zerstören.

Trotz der derzeitigen Corona-Krise verzeichnet das Bonndorfer Unternehmen allerdings keine vermehrten Anfragen aus dem Klinikbereich, um möglicherweise mit Corona-Viren belastete Wäsche zu waschen. Der Textilservice Indlekofer wasche natürlich Arbeitskleidung für Pflegepersonal und Ärzte, Bettwäsche und Frottierwäsche. Die Arbeitskleidung der eigenen Mitarbeiter müsse immer täglich gewechselt werden, so Susanne Mutter. Händehygiene, dazu zählt auch die Desinfektion der Hände, seien zwingend vorgeschrieben. Die Geschäftslei- tung des Bonndorfer Textilservice empfehle den eigenen Mitarbeitern, bei der Bearbeitung mit möglicherweise kontaminierter Wäsche Handschuhe zu tragen. Es empfehle sich ebenfalls das Tragen eines Mundschutzes. Ganz wichtig sei das Händewaschen mit Seife, insbesondere, wenn Handschuhe und Mundschutz abgelegt werden. Das Tragen von Schutzkitteln sei lediglich dann empfehlenswert, wenn die Gefahr bestehe, dass der Mitarbeiter mit kontaminiertem Spritzwasser in Berührung kommt, erläutert Susanne Mutter weiter. Im Privathaushalt seien andere Maßnahmen angesagt (siehe Infobox).

Das Unternehmen

Marianne Indlekofer und Maria Schnei der gründeten 1952 im Haus Laibe die Wäscherei Indlekofer in der Donaueschinger Straße in Bonndorf. Jürgen Mutter, der Sohn von Gustav und Marianne Mutter, geborene Indlekofer, übernahm 1982 den elterlichen Betrieb und ließ in der Allmendstraße eine neue 500 Quadratmeter große Halle errichten, in der das Unternehmen nach mehreren Erweiterungen seither geführt wird. 2014 wurde die fünfte bauliche Maßnahme auf 2800 Quadratmeter abgeschlossen. Durch den weiteren betrieblichen Ausbau wurden 2017 eine zweite große Waschstraße und modernste Fördertechnik realisiert. Täglich bis zu 35 Tonnen Wäsche werden von 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 60 in Vollzeit, gewaschen und gepflegt. Die Lkw-Flotte wurde auf zwölf Fahrzeuge aufgestockt. Seit 2018 ist auch Thomas Mutter, der Sohn von Susanne und Jürgen Mutter, Geschäftsführer des Textilservice Indlekofer. Alle drei haben den Meistertitel im Textilreinigerhandwerk. Textilservice Indlekofer ist auf den Hotel- und Gastronomiebereich spezialisiert. In geringem Umfang ist das Unternehmen für Kliniken und Pflegeheime tätig. Seit 2008 ist Textilservice Indlekofer viel auf dem Schweizer Markt unterwegs. Dort werde ein Drittel des Umsatzes erzielt, so Susanne Mutter. In Südbaden umfasst das Kundeneinzugsgebiet rund 200 Kilometer.

I N F O

Behandlung der Wäsche

Menschen, die in Selbst- oder verordneter Isolation wegen Corona in einem Privathaushalt leben, können ihre private Wäsche zu Hause waschen, wenn gewisse Mindestanforderungen eingehalten werden. Susanne Mutter weist darauf hin, dass kontaminierte Wäsche wenigstens entweder zehn Minuten bei mindestens 80 ° Celsius oder 25 Minuten bei 70 ° Celsius behandelt werden sollte. Bei nicht-kontaminierter Wäsche sei empfehlenswert, mit einem 60 ° Celsius-Verfahren zu waschen, sofern es Farbe, Faser und Gewebe zulassen, empfiehlt sie.

Quelle: Badische Zeitung vom 6. Mai 2020 von Stefan Limberger-Andris

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